{"id":1458,"date":"2018-12-04T20:53:13","date_gmt":"2018-12-04T19:53:13","guid":{"rendered":"https:\/\/code78.de\/blog\/?p=1458"},"modified":"2025-12-08T07:59:28","modified_gmt":"2025-12-08T06:59:28","slug":"angestellt-und-selbstaendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/code78.de\/blog\/angestellt-und-selbstaendig\/","title":{"rendered":"Angestellt? Na frei[beruf]lich!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Angestellt oder selbst\u00e4ndig?<\/strong><br \/>\nAuf der Suche nach dem optimalen Arbeitsalltag. Eine pers\u00f6nliche Geschichte in drei Akten.<\/p>\n<p><strong>Akt 1: Die Angestellte has left the building<\/strong><\/p>\n<p>Als ich vor ein paar Jahren entschied, dass mir die Programmierung zu trocken und unemotional ist, lie\u00df ich nicht nur meinen Job als Head Of IT zur\u00fcck, sondern auch ein Angestelltenverh\u00e4ltnis, das ich liebevoll \u00bbDie Sklavenhaltung\u00ab nannte. Mein Gehalt bezeichnete ich mit einem zwinkernden Auge als \u00bbDas Schmerzensgeld\u00ab.<br \/>\nBevor ihr nun meine ehemaligen Arbeitgeber recherchiert und falsche R\u00fcckschl\u00fcsse zieht, muss ich sagen, dass das so meine Art von Humor ist. Die Agentur war cool, mein <del>Sklaventreiber<\/del> Vorgesetzter menschlich und meine Arbeit herausfordernd.<br \/>\n<em>Eigentlich<\/em> war alles fein &#8211; und trotzdem war ich nicht 100% zufrieden. Aber &#8211; verdammte Axt 2000! &#8211; ich war auch nie der Typ \u00bbFriss oder stirb! Egal, Hauptsache das Geld stimmt!\u00ab. Sehr zum Leidwesen meiner Mutter.<br \/>\nDie hat meinen Ausbruch mit kritischen Augen betrachtet: \u00bbAch, Kind&#8230; Das tolle Gehalt! M\u00f6chtest du das wirklich aufgeben?\u00ab.<br \/>\nSo gesehen: Nein, eigentlich nicht. Und auf der anderen Seite: Irgendwie schon. Vielleicht. Selbst\u00e4ndig sein.<\/p>\n<p>Und dann, irgendwann im Sommer vor ein paar Jahren, war der berufliche Umschwung zum Greifen nah. Ich habe schon Wochen vorher \u00fcberlegt, ob der Job wirklich das ist, was ich mein Leben lang machen m\u00f6chte. Designs und Templates von kreativen Menschen funktional umsetzen. Datenbanken aufsetzen, Websites coden, Funktionalit\u00e4ten programmieren. Auge in Auge mit dem Texteditor &#8211; mit verdammt wenig Platz f\u00fcr eigene Ideen. Es gab keinen Raum f\u00fcr kreative Entfaltung. Daf\u00fcr waren immerhin die anderen zust\u00e4ndig. Die einzigen Gespr\u00e4che, die ich in meiner Arbeitszeit f\u00fchrte, waren die mit mir selbst. Immer dann, wenn irgendwas nicht so klappte, wie ich dachte, dass es sollte. Wenn ich Gl\u00fcck hatte, konnte ich hin und wieder den Support von Hostern oder Software-Herstellern anrufen und mich da ein wenig festquatschen.<\/p>\n<p>Ich tr\u00e4umte also von kommunkativer und kreativer Verwirklichung. Von Menschen, die meine Spinnereien ernst nehmen und mit mir umsetzen. Im Grunde tr\u00e4umte ich also von mir. Von mir in der Selbst\u00e4ndigkeit. Haha. Wenn ich es versemmele, dann habe immerhin nur ich darunter zu leiden &#8211; zumindest quasi: Mein Mann, der \u00fcbrigens <del>auch<\/del> Informatiker ist, hat einen sicheren Job und versprach mir R\u00fcckendeckung zu geben, falls ich die ersten Monate nicht viel Gewinn machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich schweife ab! Eigentlich wollte ich euch von dem Tag im sp\u00e4ten Sommer erz\u00e4hlen. Ich fuhr &#8211; wie immer &#8211; ganz normal ins B\u00fcro. Wer meine Snapchat-Storys damals mitverfolgt hat, wei\u00df vielleicht noch, wie ausgeburnt ich zu dem Zeitpunkt war. Und eigentlich war ich sogar so ausgeburnt, dass ich viel zu kaputt war mir Gedanken dar\u00fcber zu machen, wie ausgeburnt ich eigentlich war.<br \/>\nDeswegen haute mich die Nachricht, dass wir DEN Kunden verloren haben, eigentlich gar nicht so wirklich aus den Klotschen. Immerhin bedeutete das, dass ich weniger Arbeit auf meinem Schreibtisch liegen h\u00e4tte &#8211; und auf der anderen Seite wusste ich genau, was das f\u00fcr das Unternehmen und den wirtschaftlichen Aspekt bedeuten musste. \u00bbMach meine K\u00fcndigung fertig\u00ab, h\u00f6rte ich mich sagen. Und ich habe keine Sekunde dar\u00fcber nachdenken m\u00fcssen!<br \/>\nHier eine Unterschrift, da eine Unterschrift. Zack zack, hatten wir das Formale erledigt. Ich wurde bei Lohnfortzahlung ab dem Tag freigestellt, was allerdings in der Branche normal ist. Es gibt immerhin gen\u00fcgend Menschen, die sich nicht innerlich schon auf eine Alternative eingestellt haben. Menschen, die vielleicht dann die B\u00f6cke haben, dem (ehemaligen) Arbeitgeber noch mal so richtig eins mitzugeben. In irgendwelche Codes schnell noch mit Timer eine Selbstzerst\u00f6rung einbauen oder son Quatsch. Why not. Man hat ja eh nichts mehr zu verlieren, ne?<br \/>\nIch verabschiedete mich von den Mitarbeitern. Nach dem Motto \u00bbTsch\u00fcssi, mich seht ihr nie wieder!\u00ab.<br \/>\nUnd dann sagte ein Kollege etwas zu mir, was mir bis heute im Kopf hallt: \u00bbDu verl\u00e4sst das Unternehmen? So \u00fcberraschend? Und vor Allem: So gl\u00fccklich?\u00ab.<br \/>\nUnd ich glaube, dass das der Moment war, an dem ich es erst checkte: Ich war gl\u00fccklich dar\u00fcber, dass ich gehen durfte.<\/p>\n<p><strong>Akt 2: Selbstverst\u00e4ndlich selbst\u00e4ndig<\/strong><\/p>\n<p>Von tiefen Augenringen zu strahlenden Augen in 10 Sekunden!<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass es \u00fcbertrieben ist, wenn ich jetzt erz\u00e4hle, dass ich nach dem Verlassen des B\u00fcros durch naturbelassene Wiesen geh\u00fcpft bin und lauthals \u00bbFreiheit, Freiheit\u00ab gesungen habe. Aber ich f\u00fchle mich so, als h\u00e4tte ich das damals.<br \/>\nIch schrieb meinem Mann und einer Handvoll engen Freunden, dass ich gek\u00fcndigt wurde. Und dann steckte ich das Handy in meine Tasche und schlenderte durch die Gegend. Es war ein sonniger Tag und ich setzte mich in einem Park auf eine Bank und beobachtete Schmetterlinge, bevor ich mich irgendwann auf den Heimweg machte.<br \/>\nDass mein Handy mittlerweile gl\u00fchte, bemerkte ich erst viel sp\u00e4ter. Anscheinend machten sich meine Freunde Sorgen um meinen psychischen Zustand. Aber, wie gesagt: Die meisten Menschen haben sich nicht schon wochen- oder monatelang auf eine Alternative eingestellt.<\/p>\n<p>Da stand ich also, Ende Dreizeig und habe etwas Neues gewagt: Weg von dem Logischen, hin zu der (unberechenbaren) Kommunikation. Ich habe meine IHK-Zertifizierung zur Social Media Managerin im Dezember abgeschlossen. Und nicht nur das: Ich habe mich zum Jahreswechsel 2017 auch selbst\u00e4ndig gemacht. B\u00e4m!<br \/>\nBeides h\u00e4tte ich einige Monate vorher nie gewagt. Obwohl ich kein \u00bbFriss oder stirb! Hauptsache das Geld stimmt!\u00ab-Kind bin, so bin ich doch eigentlich eines der Sicherheiten. Und es gibt auch als Arbeitnehmer immerhin einige Vorteile:<\/p>\n<ul>\n<li>Regelm\u00e4\u00dfiges Gehalt<\/li>\n<li>Krankenkasse<\/li>\n<li>Sozialabgaben<\/li>\n<li>Geregelte Arbeitszeiten<\/li>\n<li>Urlaub<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich hatte das Gl\u00fcck, direkt mit ein paar Kunden starten zu k\u00f6nnen &#8211; und auch dieses ist meinen eigenen Spinnerein auf den sozialen Medien geschuldet. Meine Follower konnten in meinen Storys nicht nur meinen ehemaligen Arbeitsalltag mitverfolgen, sondern auch hautnah miterleben, wie ich meine ersten Schritte in der Freiberuflichkeit wagte. Und so sprach mit der Inhaber eine hannoveranischen Social Media Agentur an, ob ich nicht B\u00f6cke h\u00e4tte, f\u00fcr ihn zu arbeiten. Jo, hatte ich! Und auch eine Berliner Agentur hatte ich mich durch meine Aktivit\u00e4ten auf den sozialen Medien \u00bbentdeckt\u00ab und mich weiterempfohlen.<br \/>\n\u00bbL\u00e4uft bei mir!\u00ab, lachte ich mir ins F\u00e4ustchen. Ich arbeitete gerade mal <em>h\u00f6chstens<\/em> ein bis zwei Stunden am Tag. Die restliche Zeit investierte ich ins Netzwerken, Weiterbilden und &#8211; man glaubt es kaum &#8211; ins Coden.<br \/>\nUnd ein paar Sekunden des Tages habe ich ein bisschen Vermissen auf dem Programm gehabt. Ich habe nicht meine alte Arbeit vermisst. Nein, nein. Ich bin froh, dass ich jetzt kommunikativer bin. Zumindest online. Aber ein bisschen fehlt mir die geregelte Arbeitszeit mit Kollegen &#8211; und dieses \u00bbUnbeschwerte\u00ab dahinter. Zu wissen, dass alles geregelt ist und man nur noch seinen bescheidenen Teil beitragen muss, damit Krankenkasse und Sozialabgaben abgedeckt bleiben. Eigentlich ganz sch\u00f6n nice, ne?<\/p>\n<p><strong>Akt 3: Auf zwei Beinen kann man stehen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe nicht dar\u00fcber nachgedacht, jemals wieder in ein Angestelltenverh\u00e4ltnis zu gehen. Aber vermissen darf man ja trotzdem. Das ist ein bisschen so, als vermisse man den Sommer w\u00e4hrend der kalten Wintermonate.<\/p>\n<p>Dann war da pl\u00f6tzlich diese Anzeige bei Facebook. Ich wei\u00df nicht mal genau, warum mir die angezeigt wurde. Eigentlich wusste ich nicht mal genau, was da eigentlich gesucht wurde. Aber ich wusste, dass ich mal gucken wollte, was passiert, wenn ich diesen omin\u00f6sen \u00bbJetzt bewerben\u00ab-Button klicke.<\/p>\n<p>Ok, ich kann es euch sagen: S\u00e4mtliche Informationen, die man auf Facebook hinterlegt hat, werden an das inserierende Unternehmen geschickt. Mehr passiert da nicht. F\u00fcr das Unternehmen sollte das ziemlich frustrierend sein, wenn ich \u00fcberlege, dass ich tats\u00e4chlich Menschen in meiner Timeline habe, die in Hogwarts zur Schule gegangen sind und sp\u00e4ter auf der Police Academy waren.<br \/>\nJedenfalls bekam ich innerhalb weniger Stunden eine Nachricht von der Agentur, dass ich ihnen doch bitte meine Bewerbungsunterlagen inklusive Motivationsschreiben per Email zukommen lassen sollte.<br \/>\nWas ich erstmal nicht tat &#8211; denn eigentlich wusste ich ja nicht mal genau, was gesucht wurde.<br \/>\nNach nochmaliger Aufforderung tat ich dann allerdings das, was jeder gute Arbeitnehmer tut: Ich tat, wie mir gesagt wurde. Zwar hatte ich kein Motivationsschreiben, aber ich wies gewissenhaft in ein paar Zeilen Text darauf hin, dass man \u00fcber diesen unm\u00f6glichen Zustand hinwegsehen solle, weil ich auf dem Sprung sei.<br \/>\nUnd dann wurde ich tats\u00e4chlich eingeladen und erfuhr im Gespr\u00e4ch, dass ein\/e Content ManagerIn f\u00fcr Werbung und Marketing gesucht wurde. Das ist sowas wie ein\/e WerbetexterIn. Ich habe geantwortet, dass ich das bestimmt hinkriege.<\/p>\n<p>Und was soll ich sagen? Ich habe das w\u00e4hrend der Probearbeit nicht nur hingekriegt &#8211; letztendlich habe ich den Job sogar gekriegt. Nat\u00fcrlich habe ich eine Vereinbarung \u00fcber Nebent\u00e4tigkeiten formuliert und dem Arbeitsvertrag beigef\u00fcgt &#8211; damit ich auch weiterhin nebenbei freiberuflich t\u00e4tig sein kann.<\/p>\n<p>Und nun? Nun bin ich beides.<br \/>\nHalbtags angestellt und nebenberuflich selbst\u00e4ndig.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1736\" src=\"https:\/\/code78.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/angestellt-und-freiberuflich-1024x538.jpg\" alt=\"Laptop am Strand: Angestellt und freiberuflich\" width=\"665\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/code78.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/angestellt-und-freiberuflich-1024x538.jpg 1024w, https:\/\/code78.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/angestellt-und-freiberuflich-300x158.jpg 300w, https:\/\/code78.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/angestellt-und-freiberuflich-768x403.jpg 768w, https:\/\/code78.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/angestellt-und-freiberuflich.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 665px) 100vw, 665px\" \/><\/p>\n<div id=\"ritekit-alerts\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"ritekit-alerts\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"ritekit-alerts\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n  <div class=\"related-post grid\">\r\n        <div class=\"headline\">\u00c4hnliche Beitr\u00e4ge<\/div>\r\n    <div class=\"post-list \">\r\n\r\n            <div class=\"item\">\r\n            <div class=\"thumb post_thumb\">\r\n    <a  title=\"Die harten Fakten: Social Media bringt nichts!\" href=\"https:\/\/code78.de\/blog\/social-media-bringt-nichts\/\">\r\n\r\n      <img decoding=\"async\" width=\"1100\" height=\"720\" src=\"https:\/\/code78.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/social-media-bringt-nichts.webp\" class=\"attachment-full size-full wp-post-image\" alt=\"Einsame Stra\u00dfe im Nebel: Social Media bringt nichts\" srcset=\"https:\/\/code78.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/social-media-bringt-nichts.webp 1100w, https:\/\/code78.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/social-media-bringt-nichts-300x196.webp 300w, https:\/\/code78.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/social-media-bringt-nichts-1024x670.webp 1024w, https:\/\/code78.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/social-media-bringt-nichts-768x503.webp 768w\" sizes=\"(max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/>\r\n\r\n    <\/a>\r\n  <\/div>\r\n\r\n  <a class=\"title post_title\"  title=\"Die harten Fakten: Social Media bringt nichts!\" href=\"https:\/\/code78.de\/blog\/social-media-bringt-nichts\/\">\r\n        Die harten Fakten: Social Media bringt nichts! 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