ChatGPT Ads und Werbeanzeigen

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Neu: ChatGPT Ads – was Werbeanzeigen für Marken und Nutzende bedeuten

Jahrelang war ChatGPT clean und rein. Prompt rein, Antwort raus – manchmal sogar mit ein paar Quellen dazu. Damit ist jetzt Schluß! Jetzt ziehen Werbeanzeigen in das OpenAI-Universum ein.

Für Marketing-Teams klingt das erst einmal nach einem neuen Distributionskanal. Für Nutzer*innen könnte es sich eher nach dem Moment anfühlen, in dem man sich fragt: Verfolgt diese Antwort eigentlich mein Ziel – oder will mir hier gerade jemand etwas verkaufen?

Die eigentliche Neuigkeit bei OpenAI Werbeanzeigen ist nicht, dass eine KI irgendwann Geld verdienen möchte. Überraschend wäre eher das Gegenteil.

Neu ist: OpenAI beschreibt Werbung inzwischen offiziell als konkretes Produkt – mit Platzierung, Werbezielen, Preislogik, Messung und eigenen Einstellungen für Nutzer*innen. Damit endet die Phase, in der sich esoterische Marketing-Powerpoints über „vielleicht gibt’s ja bald Werbung in KI-Chats“ noch wunderbar nebulös ausbreiten konnten.

OpenAi Ads Manager - zum Schalten von ChatGPT Werbeanzeigen

Ich würde trotzdem noch keine Champagnerkorken auf den Ads Manager Beta schießen. Obwohl ich den Reflex als Software Engineer und Social-Media-Managerin durchaus kenne: Neues Interface? Neue Abkürzung? Neues Quartalsziel? Her damit.

Denn zwischen „offiziell angekündigt“ und „verlässlicher Performance-Kanal für den deutschen Mittelstand“ liegt noch ein ziemlich breiter Flur. Vermutlich mit mehreren Zustimmungsdialogen, ein paar Fragezeichen und mindestens einem „Das müssen wir erst mal testen“.

Was sind die ChatGPT Ads?

ChatGPT Ads sind ein offizielles Werbeangebot von OpenAI. Werbeanzeigen können unterhalb einer ChatGPT-Antwort erscheinen; sie werden als gesponsert gekennzeichnet und visuell von der Antwort getrennt.

OpenAI erklärt ausdrücklich, dass Werbung die Antworten des Modells nicht beeinflussen sollen und Werbetreibende weder Antworten formen noch deren Ranking verändern können. Das ist die zentrale Produktzusage – und für Vertrauen.

Neu ist die Produktrealität, nicht die Werbelogik

Werbung taucht dort auf, wo Menschen recherchieren, vergleichen und Entscheidungen vorbereiten. Das kennen wir ja schon – und ehrlichweise sind wir auf dem Auge doch auch schon so gut wie blind.

Der Unterschied zu dem ganzen anderen Krempel, an den wir uns schon gewöhnt haben: Diesmal beginnt alles mit einer Unterhaltung. Nutzer*innen formulieren ihre Bedürfnisse oft deutlich ausführlicher als in einer Suchzeile.

Meiner Meinung nach sind ChatGPT Ads die logische Konsequenz aus dem detailliert geschilderten Problem, dem Hilfegesuch oder der Suchanfrage. Wir wären doch alle keine guten Marketing-Menschen, wenn wir diese Gelegenheit das zu monetarisieren nicht auch genutzt hätten.

Nachdem wir den Punkt geklärt haben, lasst uns die Frage beantworten, was wie wo in der KI-Antwort angezeigt wird.

OpenAI beschreibt das Anzeigenformat für Werbetreibende als eigene Einheit – mit Werbename, Favicon, Titel, Beschreibung, Zielseite und Bildmaterial. Die Anzeige erscheint nach der Antwort, nicht mitten im Satz und auch nicht als vermeintliche Empfehlung der KI. So weit so gut so nachvollziehbar. Eine Antwort muss eine Antwort bleiben. Wenn aus „Hier sind drei Optionen“ plötzlich „Und übrigens: Kauf Option vier!“ wird, dürfte das Vertrauen in ein Auskunftssystem ziemlich schnell den Abgang machen.

Lasset die Ad-Games beginnen!

Nach der aktuellen Hilfeseite können Nutzer*innen der kostenlosen und der Go-Pläne Werbeanzeigen sehen; die Pläne Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sollen weiterhin werbefrei bleiben.

Das sind klare Aussagen zum gegenwärtig kommunizierten Stand, keine Zusage für jede künftige Oberfläche oder jeden Markt.

Wie sollen die ChatGPT Ads funktionieren?

ChatGPT Ads verknüpfen eine Werbeeinblendung mit dem Kontext einer laufenden Unterhaltung. Für Werbetreibende bedeutet das: Nicht das einzelne isolierte Keyword steht im Vordergrund, sondern die Frage, die jemand gerade zu lösen versucht.

OpenAI spricht von einer Relevanz zum Chat-Kontext; bei aktivierter Anzeigenpersonalisierung können zusätzlich ausgewählte Signale aus der breiteren ChatGPT-Nutzung berücksichtigt werden.

Eine Anzeige ersetzt keine zitierfähige Antwort

ChatGPT Ads stehen getrennt unter einer Antwort. Für Marken bedeutet das: Sichtbarkeit kann gekauft werden, Vertrauen in die fachliche Einordnung nicht. Wer in KI-Suchen dauerhaft vorkommen will, braucht verständliche, belastbare und gut strukturierte Inhalte auf der eigenen Website. Die Anzeigenkampagne kann Aufmerksamkeit erzeugen; die Website muss die Entscheidung tragen.

Sind Antwort und Anzeige getrennte Systeme?

Laut OpenAI dürfen Anzeigen die Antwort von ChatGPT nicht steuern. Das Unternehmen beschreibt, dass beide Systeme – also Werbe- und Modell-Systeme – getrennt voneinander arbeiten.

Natürlich bleibt die Umsetzung entscheidend. Eine Trennung auf dem Papier wird nur dann glaubwürdig, wenn Kennzeichnung, Platzierung und Erklärung im Produkt auch unter Zeitdruck verständlich bleiben – es ist ja längst kein Geheimnis mehr, dass wir die Aufmerksamkeit abnimmt. Besonders nachts um 24:08 Uhr, wenn wir uns nur noch mal schnell auf ein Meeting zur Schnittigkeit der Axt 2000 vorbereitenn wollen.

Nutzer*innen müssen auch dann erkennen können: Hier endet die generierte Antwort. Hier beginnt eine bezahlte Platzierung für die Axt 3000.

Was buchbar und messbar ist

Nach den offiziellen Grundlagen gibt es derzeit zwei Kaufoptionen:

  • Reichweite auf Tausenderkontaktpreis-Basis (CPM) und
  • Klicks auf Cost-per-Click-Basis (CPC)

Kampagnen können demnach auf Reichweite oder Klicks ausgerichtet werden; das maximale Gebot dafür legt ihr auf Ebene der Anzeigengruppe fest.

Für Conversions nennt OpenAI eine Conversion-Messung im Ads Manager Beta. Zusätzlich lassen sich statische Tracking-Parameter wie UTM-Parameter an Ziel-URLs hängen und in der Statistik auswerten.

  • CPM passt eher zu Kampagnen, die Sichtbarkeit und Reichweite priorisieren.
  • CPC richtet die Abrechnung an gültigen Klicks aus.
  • UTM-Parameter helfen, Besuche aus ChatGPT Ads sauber von anderen Kanälen zu unterscheiden.
  • Conversion-Messung ersetzt keine eigene Prüfung der Datenqualität und der tatsächlichen Geschäftswirkung.

Personalisierung, Privatsphäre und sensible Kontexte

Bei Werbeanzeigen im Chat ist Datenschutz keine Fußnote. Er ist das Möbelstück, an dem sich alle beim Hereinkommen stoßen. OpenAI sagt, dass Nutzerinnen die Anzeigenpersonalisierung unter „Settings“ und „Ad Controls“ abschalten können.

Zumindest theoretisch. Ich finde diese Einstellungen allerdings noch nicht. Werbung bekomme ich aber schon angezeigt.

Die Anzeigen erscheinen natürlich trotzdem – wäre auch zu easy, wenn wir die klick klick klick komplett ausschalten könnt. Die Ads, die nach dem Deaktivieren noch sichtbar sein sollen, sollen aber zum Kontext des aktuellen Chatverlaufs passen. Immerhin.

Andere Unterhaltungen, Werbeverlauf oder Themen sollen laut OpenAI dafür nicht verwendet werden. Nutzende können außerdem nachvollziehen, warum sie eine Anzeige sehen, die Daten für Anzeigen löschen sowie Anzeigen ausblenden oder melden.

Was OpenAI ausdrücklich ausschließt

Auch beim Thema Datenschutz und Nutzererlebnis setzt OpenAI ein paar Grenzen: Konten von Minderjährigen sollen keine Anzeigen ausgespielt bekommen, und auch Temporary Chats bleiben werbefrei.

Was rund um eine Anzeige passiert, soll außerdem nicht einfach in der Erinnerung von ChatGPT landen. Wer also eine Anzeige anklickt, ausblendet, meldet oder sich nur anschaut, hinterlässt damit laut OpenAI keinen Eintrag für die nächste Unterhaltung.

Was Marketing-Teams daraus machen sollten

Für Marketing-Teams sind ChatGPT Ads vor allem ein Anlass, die eigenen Hausaufgaben zu prüfen. OpenAI empfiehlt klare, relevante Werbemittel und Landingpages, die tatsächlich zur Anzeige passen – also bitte nicht „Mehr erfahren“ klicken und dann auf der Startseite landen.

Und technisch gilt: Die Landingpage muss erreichbar sein und darf OAI-AdsBot und OAI-SearchBot nicht blockieren. Kurz gesagt: Erst den Laden aufschließen, dann über Performance reden.

Ein sinnvoller Start ohne Kanal-Hysterie

Fragt euch also: „Bei welchen konkreten Entscheidungssituationen sind wir hilfreich?“ Wer nur Claim-Konfetti besitzt, wird in einem Gesprächskontext besonders unerquicklich wirken. Eine gute Anzeige muss die Frage nicht nachplappern. Sie muss den nächsten sinnvollen Schritt anbieten.

  1. Definiert drei bis fünf echte Entscheidungssituationen eurer Zielgruppe statt einer wolkigen Persona.
  2. Prüft, ob eure Zielseite die versprochene Hilfe sofort liefert – inklusive Preis, Erklärung, Demo, Vergleich oder Kontaktweg.
  3. Erstellt mehrere kreative Varianten mit unterschiedlichen Nutzenargumenten, nicht fünfmal denselben Slogan in anderer Krawatte.
  4. Hinterlegt eindeutige UTM-Parameter und legt vor dem Start fest, welche Conversion tatsächlich zählt.
  5. Bewertet zunächst Qualität und Passung der Anfragen, nicht bloß Klickzahlen. Klicks sind neugierige Finger, kein Geschäftsmodell.

Was derzeit noch nicht feststeht

Die ehrliche Antwort auf viele strategische Fragen lautet momentan: noch nicht belastbar.

Offen bleiben unter anderem diese Punkte

  • In welchem Umfang ChatGPT Ads für Werbetreibende in Deutschland verfügbar werden.
  • Welche Branchen, Kategorien und Werbeinhalte langfristig zugelassen oder eingeschränkt sein werden.
  • Wie stabil Reichweite, Klickpreise, Conversion-Qualität und Messmethoden nach der Beta-Phase ausfallen.
  • Wie sich Anzeigenformate, Targeting-Optionen und die Trennung von organischen Antworten weiterentwickeln.
  • Welche Vergleichbarkeit mit Such-, Social- oder Retail-Media-Kanälen sich nach ausreichend Praxisdaten überhaupt seriös herstellen lässt.

Fazit: Erst verstehen, dann Budget wedeln

ChatGPT Werbeanzeigen sind neu genug, um Aufmerksamkeit zu verdienen, aber noch zu jung für große Gewissheiten. Fest steht: OpenAI schafft einen klar abgegrenzten Werbeplatz unter Antworten, bietet CPM- und CPC-Kaufoptionen an und formuliert Regeln zu Personalisierung, Kontrolle und Werbefreiheit für bestimmte Tarife. Offen bleibt, wie schnell daraus ein verlässlicher Kanal wird.

Mein Rat: Räumt eure Landingpages, Messlogik und Nutzenversprechen auf – nicht weil der nächste Kanal garantiert alles rettet, sondern weil gute Antworten und gute Angebote auch ohne Werbebudget kein schlechter Anfang sind.


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Heidi Schönenberg-Hausdorf

Von: Heidi Schönenberg-Hausdorf

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Heidi Schönenberg-Hausdorf

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Ich bin Heidi. Offiziell von der IHK gekrönte Software-Hoheit und Social-Media-Maestra. In meiner Wall of Frames hängen Psychologie-Expertise und frische KI-Zertifikate friedlich nebeneinander.
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