Barrierefreie Kommunikation im Marketing

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Barrierefreie Kommunikation im Marketing [Checkliste]

Klingen eure Marketingtexte wie kryptische Sprüche eines Geheimbunds, die nur Eingeweihte entschlüsseln können? Dann wird es Zeit für barrierefreie Kommunikation. Ich zeige euch, warum das nicht nur sozial, sondern auch effektiv ist und weshalb Barrierefreiheit und Barrierearmut nicht dasselbe sind, egal wie sehr Marketingabteilungen sich das schönreden wollen.

Was ist barrierefreie Kommunikation?

Wer heute Marketing macht, ohne barrierefreie Kommunikation mitzudenken, ist nicht modern, nicht edgy, nicht clever – sondern schlicht nicht konkurrenzfähig.

Wir haben alle schon genügend Marketingtexte gesehen, die so kompliziert waren, dass selbst ein*e promovierte*r Germanist*in mit gerunzelter Stirnfalte zurückgelassen wurde. Und das liegt nicht daran, dass wir böse sind – sondern daran, dass ihr wir gelernt habt, für alle zu schreiben.

Barrierefreie Kommunikation bedeutet, dass Inhalte für möglichst viele Menschen verständlich, zugänglich und nutzbar sind – egal, ob sie mit einer kognitiven Einschränkung leben, ob sie Screenreader nutzen oder ob sie einfach nur komplett übermüdet an einem Montagmorgen versuchen, Texte zu entziffern. Barrierefreiheit ist also nicht nur ein technisches Thema (hallo Alt-Texte, hallo Kontrastwerte!), sondern ein kommunikatives. Und das ist nicht nur nett gemeint: Aus Marketing‑Sicht ist das ein Volltreffer für Reichweite, Sichtbarkeit und Inklusion.

Und ja, ich weiß: „Barrierefreie Kommunikation“ klingt erst mal wie ein sperriger Schrank, den man mühsam die Treppe hochzerren muss. Aber am Ende bekommt ihr dafür ein wunderschön eingerichtetes Zimmer, in dem sich alle wohlfühlen. Und ganz ehrlich? Das sollten wir doch wollen.

Der (gar nicht mal so kleine) Unterschied zwischen barrierefrei und barrierearm

Viele von uns behaupten fröhlich, sie würden barrierefrei kommunizieren – und liefern dann barrierearme Inhalte. Das ist ungefähr so, als würdet ihr sagen, ihr könnt zaubern, nur weil ihr mal einen IKEA-Schrank ohne Anleitung aufgebaut habt. Beeindruckend? Ja. Magisch? Naja.

Bevor wir anfangen, das Wort wie eine heiße Kartoffel durch die Gegend zu werfen, lasst uns kurz definieren, was mit barrierefrei und barrierearm gemeint ist:

  • Barrierefreie Kommunikation: Texte, Videos, Social-Media-Postings oder Newsletter können von möglichst allen Menschen verstanden werden – unabhängig von Sprache, Lesekompetenz, Sinnesfähigkeiten, kognitiven und/oder technischen Voraussetzungen.
  • Barrierearme Kommunikation hingegen ist eher die „gut gemeint, halbwegs lesbar“-Variante. Die Inhalte sind reduziert, aber nicht unbedingt wirklich zugänglich für alle.

Viele verwechseln diese beiden Begriffe, als würden sie „Ketchup“ und „Tomatensoße“ synonym benutzen – ja, irgendwie verwandt, aber geschmacklich ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Und genau deswegen ist es wichtig, dass wir den Unterschied kennen. Denn barrierearm ist ein guter Anfang – aber kein Endziel. Das wird oft munter verwechselt, und am Ende wundern wir uns, warum die Inhalte trotzdem nicht funktionieren.

Warum barrierefreie Kommunikation euer Marketing stärkt

Ich sag euch etwas, das viele Marketing-Abteilungen nicht hören wollen: Barrierefreie Kommunikation ist nicht nur ein Akt der Inklusion, sondern auch ein knallharter strategischer Vorteil.

Je mehr Menschen eure Inhalte lesen und verstehen können, desto größer eure Reichweite. Überraschung! Und nein, ich meine nicht „größer“ im Sinne von „ein Like mehr von Tante Heidrun“, sondern wirklich größer – Menschen, die ihr bisher nicht erreicht habt, können plötzlich mitreden.

Ein Text in einfacher, klarer Sprache steigert die Chance, dass Inhalte geteilt, gelikt oder kommentiert werden. Und hey, mehr Reichweite bedeutet mehr Klicks, mehr Leads, mehr Umsatz. Ganz pragmatisch: Inklusion ist hier kein moralischer Bonuspunkt, sondern kann über Erfolg und Niederlage entscheiden. Sie zeigt: Ihr nehmt alle Menschen ernst. Und wenn ich eines in meinem Social-Media-Leben gelernt habe, dann das: Sympathie konvertiert.

Dazu kommt: In Deutschland wird Barrierefreiheit immer mehr zur Pflicht – nicht nur zum Nice-to-have. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) macht digitale Barrierefreiheit verbindlich.
Wenn ihr also weiter Marketing macht wie in der Steinzeit, riskiert ihr, den gesetzlichen Anschluss zu verpassen – und damit nicht nur eure Reputation, sondern womöglich auch Ärger.

Und für diejenigen unter euch, die auf harte Zahlen stehen: Laut Aktion Mensch leben über zehn Millionen Menschen in Deutschland mit einer Behinderung. Das ist nicht „eine kleine Zielgruppe“. Das ist ein ganzer Markt. Wenn wir so viele Menschen systematisch ausschließen, verlieren wir nicht nur Reichweite, sondern auch Relevanz.

Marketing: Das Gesamtkonzept

Barrierefreie Kommunikation ist kein Einzelthema, sondern Teil eines größeren Marketing-Puzzles. Wenn ihr wissen wollt, wie Klarheit, Haltung und Strategie zusammenwirken – nicht nur hier, sondern im gesamten Marketing – dann wartet der nächste Deep Dive schon auf euch.

Wie Marketingtexte wirklich barrierefrei(er) werden

Keine Sorge: Dafür müsst ihr nicht euer komplettes Marketing-Vokabular opfern. Wir machen es schmerzfrei – na gut, fast. Ein bisschen tut’s schon weh, vor allem an der Stelle, an der ihr euch von euren heißgeliebten Buzzwords trennen müsst. Ja, genau denen, die ihr seit Jahren wie heilige Reliquien durch jede Präsentation schleift. „Synergie“, „holistisch“, „Touchpoint-Optimierung“ – ich sehe euch.

Barrierefreie Kommunikation heißt nicht, dass Marketing plötzlich zum sprachlichen Wellness-Urlaub wird. Es heißt, dass ihr eure Informationen so strukturiert, dass sie nicht wie ein Escape Room funktionieren, bei dem man erst drei Rätsel lösen muss, um überhaupt zu verstehen, worum es geht. Barrierefreie Texte sind klar, logisch, lesbar – und trotzdem kreativ, lebendig und voll eurer Markenpersönlichkeit.

Es geht darum, Gedanken zu entwirren, statt sie kunstvoll zu verknoten. Satzlängen zu zähmen, statt ihnen eine olympische Disziplin zu überlassen. Und Inhalte so zu gliedern, dass auch Menschen, die nicht jeden Tag Marketing-Charts inhalieren, mühelos folgen können.

Kurz gesagt: Weniger sprachliche Machtdemonstration, mehr echte Kommunikation.

Das Präzisionswerkzeug „Einfache Sprache“

Viele glauben, einfache Sprache sei kindlich. Ich sage: Sie ist radikal effizient. Sie zwingt uns, klar zu denken und uns nicht hinter Buzzwords zu verstecken. Ein Satz, den man dreimal lesen muss, ist ein schlechter Satz – Punkt – und glaubt mir, niemand sitzt vorm Bildschirm und denkt: „Ich hoffe, der nächste Satz ist drei Zeilen lang!“

  • Einfache, verständliche Sprache rockt
  • Nutzt klare Sätze: kurz, aktiv, ohne Schachtelsätze.
  • Verzichtet auf Fachjargon & Nominalisierungen („Implementierung“, „Synergie“, „Optimierung“) – oder erklärt sie direkt, wenn ihr sie unbedingt braucht.
  • Trend aus der Praxis: Niveau B1–B2 ist in vielen barrierefreien Texten ein Ziel – das entspricht einer Sprache, die die breite Masse gut versteht.
  • Wenn nötig: Leichte Sprache einsetzen (mit festen Regeln und kürzeren Wörtern), etwa für Zielgruppen mit kognitiven Einschränkungen.
  • Tipp: Tools wie das Textanalyse-Tool von Wortliga und der Fleschwert können hier eine gute Stütze sein!

Logischer Aufbau

Glaubt mir: Wenn eure Leser*innen erst eine Landkarte brauchen, um euren Gedankengängen zu folgen, ist es vorbei. Struktur ist euer unsichtbarer Superheld. Nutzt Absätze, nutzt Zwischenüberschriften, nutzt klare Übergänge.

  • Überschriften, Absätze, Bulletpoints: Machen eure Texte gliederbar und geben Struktur.
  • Nutzt visuelle Hilfsmittel: Infografiken, kurze Abschnitte, klare Gliederung helfen nicht nur Menschen mit Konzentrationsproblemen, sondern auch allen scrollfaulen Social-Media-Usern.

Technische Seite

Barrierefreie Kommunikation geht über Sprache hinaus. Denkt an ausreichende Kontraste, gute Schriftgrößen und Alt-Texte für Bilder. Screenreader-User*innen danken es euch – und Google auch, denn Alt-Texte sind SEO-Gold.

  • Grafiken: Auf ausreichenden Kontrast achten. Ein Tool WCAG-Kontrastprüfer zum Testen nutzen.
  • Bilder: Immer mit Alt-Text; die werden auf Screenreadern vorgelesen.
  • Videos: Untertitel und im besten Fall auch Audiodeskription (so beschreiben, was rein visuell passiert). In Bayern wird etwa die Audiodeskription als Form barrierefreier Kommunikation explizit empfohlen.
  • Dokumente und PDFs: Barrierefrei erstellen (z. B. PDF/UA), damit Screenreader und andere Hilfsmittel damit klarkommen.
  • Links sollten beschreibend sein: Nicht „hier klicken“, dann lieber „Produktkatalog herunterladen“.
  • Buttons eindeutig benennen („Abonnieren“, „Kontakt aufnehmen“, „PDF herunterladen“) – nicht einfach „Los geht’s“.

Beispiele aus meinem Social-Media-Alltag

Ich habe schon Kund*innen erlebt, die dachten, ein barrierefreier Post sei ein Post mit „größerer Schrift“. Und gleichzeitig habe ich Beiträge gesehen, die mit klarer Sprache, guter Struktur und Alt-Texten plötzlich 20 % mehr Reichweite hatten. True Story.

Download: Die Checkliste

Checkliste für barrierefreie Kommunikation

Fundierte Quellen und Praxis-Tipps

Damit das hier nicht nach Blabla klingt: Schaut euch diese deutschen Quellen an, die das Thema barrierefreie Kommunikation fundiert beleuchten:

Diese Quellen zeigen klar: Barrierefreie Kommunikation ist nicht „nice-to-have“, sondern ein strategischer Imperativ – gerade im Marketing.

Die häufigsten Fehler

Lasst uns kurz durch die Klassiker galoppieren:

  • Lange Schachtelsätze, bei denen selbst Goethe sagen würde: „Mutig.“
  • Abkürzungs-Bingo ohne Erklärung. BTHPOTA2*
  • Zu viele Emojis oder unstrukturierte Bulletpoints. Zu viele ist zu viel.
  • Ironie ohne Kennzeichnung. Das kann für unverständlich sein– für Mensch und Screenreader.
  • Bilder ohne Alt-Text. Google weint.
  • Kontrastarme Grafiken unter der „Das ist aber Design“-Flagge.

Mit ein bisschen Aufmerksamkeit lassen sich diese Fehler easy vermeiden. Kein Hexenwerk – eher ein sorgfältiger Frühlingsputz im Kommunikations-Chaos.
* By the holy power of the Axt 2000

Fazit

Wenn ich eines möchte, dann, dass ihr nach diesem Artikel nicht mehr sagt: „Ach, Barrierefreiheit… machen wir irgendwann.“ Barrierefreie Kommunikation ist inklusiv, menschlich, strategisch brillant – und, Überraschung, sie funktioniert.

Und ja: Barrierefreiheit ist ein Weg. Wir werden Fehler machen. Wir werden barrierearm anfangen. Und das ist völlig okay. Solange wir bereit sind, Schritt für Schritt besser zu werden.

Also los: Macht eure Kommunikation zugänglich. Macht sie klar. Macht sie menschlich. Macht sie barrierefrei(er).


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Heidi Schönenberg-Hausdorf

Von: Heidi Schönenberg-Hausdorf

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Heidi Schönenberg-Hausdorf

Hallo

Ich bin Heidi. Offiziell von der IHK gekrönte Software-Hoheit und Social-Media-Maestra. In meiner Wall of Frames hängen Psychologie-Expertise und frische KI-Zertifikate friedlich nebeneinander.
Ich verstehe also Menschen und Maschinen – fragt sich nur, wer von beiden anstrengender ist.

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