Im Test: Die Snapchat Spectacles Brille

Die Snapchat Spectacles ist der heisse Scheiß!

Die 115° Weitwinkel-Linse der Brille erfasst die Umwelt aus einer Ich-Perspektive und die hochgeladenen Snaps ermöglichen dem Zuschauer durch Rotieren des Smartphones einen erweiterten Blickwinkel: Die Snaps, die mit der Brille aufgenommen werden, haben nämlich gar kein richtiges Format. Sie sind rund. Der sichtbare Bereich eines Snaps wird dynamisch durch den Lagesensor des Smartphones bestimmt. Durch diese Funktion erscheint die Momentaufnahme realistischer als durch statisch festgelegte Bildausschnitte. Ziemlich cool!

Die Brillen wurden anfangs nur über Automaten verkauft und sind erst seit einigen Wochen auch in einem Onlineshop in den Staaten bestellbar. In Deutschland sind sie soweit nicht erhältlich. Kein Wunder also, dass die Brille beim Barcamp Ruhr X neugierige und begeisterte Blicke bei den Snapchattern erntete.

Die Snapchat Spectacles auf dem Barcamp

Djure kündigte in einem Tweet bereits zu Beginn des Barcamps an, dass er das begehrte Gadget dabeihabe:

In der Snap’n’Walk – Session waren Djure und die Brille also heiß begehrt. Und so kam es, wie es kommen musste: Die Zeit verging viel zu schnell und so kam nicht jeder in den Genuss die Spectacles ausprobieren zu können. Tja, schade.

Unverhofft kommt aber bekanntlich oft. Und die Spectacles kamen in diesem Zusammenhang in den Händen von Christian zu mir: »Hier! Die kannst du jetzt ein paar Tage austesten!« sagte er, als er mir das Case überreichte. »Das ist doch nicht dein Ernst! Du kannst doch nicht…!« entgegnete ich. Aber doch, er kann. Offensichtlich.

An dieser Stelle geht mein Dank an die wildcard gruppe, die mir diese Brille ausgeliehen haben.

minus78.de testet

Nachdem ich mich mit dem Gedanken angefreundet habe, dass ich die Brille auf Herz und Gestell testen darf, gab es kein Halten mehr. Auf meinem Snapchat-Kanal minus78.de legte ich am Montag und Dienstag einen Spectacles-Tag ein.
Ich habe mich vorher bewusst nicht mit der Spectacles und ihrer Handhabung auseinandergesetzt.

Das ist ein ähnliches Phänomen, was ich bei mir auch gerne in Zusammenhang mit elektrischen Geräten beobachte: Stecker in die Buchse, wahllos auf jeden Knopf drücken und gucken, was passiert. Irgendwie wird sich alles schon von selbst erklären. Das war dann tatsächlich auch bei der Brille der Fall.
Aber, was soll ich sagen: Es gibt ja nur einen Knopf.  Was kann man mit einem Knopf schon falsch machen?

Ein Knopf für alle Fälle

Die Aufnahme beginnt durch das Drücken des Knopfes am Gestell und dauert genau 10 Sekunden. Das ergibt natürlich Sinn, wenn man bedenkt, dass die Brille von und für Snapchat ist. Drückt man den Knopf innerhalb dieser 10 Sekunden für 2 Sekunden gedrückt, stoppt die Aufnahme.
Aber auch andersherum ist es möglich: Die Aufnahmezeit kann auf 20 oder 30 Sekunden verlängert werden, wenn der Knopf erneut gedrückt wird. Die gespeicherten Filme werden dann beim Übertragen automatisch in mehrere Snaps aufgesplittet und auf die 10 Sekunden heruntergekürzt.
Die Ein-Knopf-Technik ist sehr intuitiv. Erstaunlich intuitiv, möchte man meinen. Insbesondere im Vergleich zu der dazugehörigen App, mit der wir anfangs wohl alle unsere Probleme hatten.

Ich sehe was, was du nicht siehst

Als Poweruser der App kann ich sie mittlerweile blind bedienen und durch die Brille – zumindest für die zwei Tage – also auch komfortabel freihändig. Mir taten sich schier tausende Möglichkeiten auf: Skateboard fahren, Gemüse schnibbeln oder mit einer Riesenaxt den halben Wald fällen? All das habe ich nicht getan.
Meine Zuschauer haben mich durch meinen Alltag begleitet: Ich bin durch die Stadt spaziert, habe im Sandkasten gebuddelt und habe eingekauft. Und zwischendurch hat unser Jüngster die Brille getragen und uns die Welt aus der Sicht eines 3jährigen gezeigt:

Die Welt ist rund - die Spectacles Videos auch. Zumindstest dann, wenn man sie außerhalb von Snapchat betrachtet. Cool. Noch cooler allerdings, wenn man - wie eingangs erwähnt - die Rotationsfunktion während des Abspielens in der App nutzt oder nutzen kann.

Unterstützte Modelle

Leider funktioniert dieses tolle Feature nicht bei allen Smartphone-Modellen. Immer wieder erreichten mich Rückmeldungen, dass der Blickwinkel durch das Rotieren des Handys nicht verändert werden kann.

Eine auf meinem Account unter meinen Followern durchgeführte Screenshot-Umfrage ergab, dass genau 12.7% meiner Zuschauer diese Funktion nicht erleben konnten. Durch die Rückmeldungen auf die Frage, um welche Handymodelle es sich handelt, kann ich eine grobe Liste der Modelle veröffentlichen, mit denen meine Follower den gewünschten Effekt nicht erreichen konnten:

  • Google Nexus 5x
  • Huawei p8lite
  • Medion X5520
  • One Plus 3
  • Samsung Galaxy A3
  • Samsung Galaxy A5
  • Samsung Galaxy Ace 3
  • Sony Xperia M5

Diese Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit!

Ohne zu weit in die Tiefe gehen zu wollen: Die von meinen Zuschauen genannten Modelle verfügen zum größten Teil nicht über das Gyroskop, einen Lagesensor, der die Rotationen der Bewegung erfasst. Das sehe ich hier als Ursache für das Problem.

Weitere Zuschauerumfragen

Die Storys kamen aber gut bei meinen Followern an! Snaps, die mit der Spectacles gedreht werden sind unter den deutschen Snapchattern noch nicht so weit verbreitet und somit ist die Drehfunktion, mit der der Zuschauer den Bildausschnitt verändern kann, neu und spannend.

Wenn ich ehrlich bin, darf man aber auch nicht wie ein Berserker mit dem Handy herumfuchteln. Ich habe nämlich das, was der geringste Teil der Zuschauer geantwortet hat, auch für mich feststellen können: Das Starren auf eine Dauerrotation macht mulmig.

Fazit

Pro

  • Uneingeschränkte Freihändigkeit: Man hat wirklich beide Hände frei und muss nicht kampfthaft so tun, als habe man keine Selbstauslöser-Fernbedienung in der Hand.
  • Erweiterter Blickwinkel: Die 115°-Weitwinkel-Linse nimmt mehr auf. Durch Rotation kann man den Blickwinkel verändern oder anpassen.
  • Unabhängig vom Smartphone bedienbar: Bis zu 200 Snaps werden auf der Brille gepeichert, bis sie auf das Handy übertragen werden müssen. Total super, wenn das Handy zu Hause liegt und läd. Glaubt mir: Ich weiß wovon ich rede!
  • »Verlängerte« Aufnahmezeit: Hier kann man ganz einfach die Aufnahmezeit auf bis zu 30 Sekunden verlängern - Beim Übertragen werden längere Sequenzen automatisch in 10 Sekunden-Snaps umgewandelt
  • Darf ich vorstellen: Ich bin Heidi Finition! Die Videos können wahlweise sogar in HD-Qualität aufbereitet werden.
  • Unabhängiges Aufladen, auch unterwegs: Die Spectacles werden bequem in ihrem Case aufgeladen. Dieses sollte natürlich hin und wieder aber aufgeladen werden. Versteht sich von selbst, ne?
  • Sexyness (sagt mein Mann)

Contra

  • Exklusivität: Klingt toll und edel. Eigentlich will ich damit aber sagen, dass es die Brille bislang nur in den Staaten zu kaufen gibt.
  • Exlusivität II: Die Kamerabrille ist nur für Snapchat. Keine App, kein Account: keine Competition.
  • Ich lese immer von der Sonnenbrille von Snapchat und sehe dadurch tatsächlich alles abgedunkelt. Aber hat die Brille UV-Schutz? Irgendwie finde ich darüber keine Infos. Vielleicht bin ich auch die Einzige, die das interessiert.
  • Oh, those memories! Die per Bluetooth übertragenen Snaps landen in den Snapchat Memories. Überträgt man aber mehrere (oder viele) gleichzeitig, dauert das Übertragen eine Weile. Ungeduldig darf man zumindest nicht sein. Ist der entsprechende Snap in Memories geladen, kann er von hier aus in die Story gepostet werden.
  • Ich dreh' mir nen Wolf: Bei manchen Modellen funktioniert die - für mich - überzeugendste Funktion nicht: Das Ändern des Bildausschnittes.
  • Datenschutz oder Datenschmutz? Das Aufnehmen ist zwar durch blinkende LEDs erkennbar, allerdings bin ich nicht sicher, ob Außenstehenden klar ist, was das bedeutet. Dr. Thomas Schwenke hat die rechtliche Einschätzung in einem Interview bei t3n aus seiner Sicht beleuchtet.

Das Testen der Spectacles hat wirklich Spaß gemacht und die Snaps kamen bei den Zuschauern - auch außerhalb von Snapchat - sehr gut an. Ob ich mir die Brille allerdings knapp 180 Euro inkl. Steuern wert ist, weiß ich allerdings nicht genau. Seid gespannt, wie ich mich entscheide. Das könnt ihr dann auf minus78.de sehen.

Ich hab mich trotdem riesig gefreut, dass ich meine persönlichen Erfahrungen mit der Brille machen durfte und danke Djure von der wildcard gruppe fürs Vertrauen.

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