Social Media als Lebensretter – eine wahre Geschichte

Social Media Lebensretter

Ich bin keine große Geschichtenerzählerin. War ich noch nie.
Und so tue ich mich mit dem Teilen dieser Geschichte ein wenig schwer. Ehrlichgesagt habe ich einige Wochen mit mir gerungen: Möchte ich diese wahre – aber sehr persönliche – Geschichte teilen?

Eigentlich ist es ja so: Ich bin – als Person – im beständigen Netz* eher unauffällig. Wenn ich einen Schwank aus meinem Privatleben erzähle, dann immer mit einem zwinkernden Auge. Nicht, dass ich in Wirklichkeit eine verbitterte Hexe wäre, die sich hinter abgedroschener Fröhlichkeit verbirgt. Ich fokussiere mich nur lieber auf das, was ich kann, als auf das, was ich habe –  seien das nun Yachten oder Probleme 😉
* Gemeint sind Plattformen und Formate ohne automatische Löschung des Contents nach 24 Stunden

Die Macht von Social Media – Eine wahre Geschichte

Vor ein paar Monaten gab es allerdings eine Mitmachaktion bei Snapchat, bei der ich irgendwie ins Reden kam. Das genaue Thema weiß ich nicht mehr, aber es war wohl sowas wie  »Wie lange stehst du morgens im Bad, um dich tageslichttauglich zu machen?« oder »Was würde dein Spiegel sagen, wenn er sprechen könnte?«.

Tja. Die Eitelkeit und ich haben uns schon vor längerer Zeit voneinander verabschiedet. Kurz: Mir ist kackegal, wie ich aussehe. Ehrlich. Es gab innerhalb der letzten Jahre nur einen Tag, an dem es mir nicht kackegal war: Meine Hochzeit. Und weil ich eine Blitzbirne bin, habe ich mich schon Wochen vor dem besagten Tag mit meinem Aussehen beschäftigt. Ich habe mich der Tortur einer Zahnreinigung unterzogen, mir meine Haut mit Fruchtsäurepeeling weggeätzt und mein Haar färben lassen. Ich habe mir Gurkenscheibchen auf meine müden Augen gelegt, mein Haar mit einem bügeleisenähnlichem Gebilde geglättet und künstliche Wimpern getragen. Ich war ein paar Wochen lang die jüngere und hübschere Schwester meiner selbst. Das Einzige, was an mich erinnerte war dieser eine Pickel auf meiner Nase.
Eigentlich könnte man meinen, dass ein Pickel auf Fotos in Zeiten von Photoshop und Co kein Problem mehr sein sollte. Aber nicht mit mir! Ich racker mich doch beautytechnisch nicht so ab, um mit einem Pickel vor den Altar zu treten. Verdammte Axt 2000! Wenn schon aufhübschen, dann aber richtig! Und weil die tollen Anti-Pickel-Mittel aus der Werbung nicht hielten, was sie versprachen, tanzte ich ein paar Tage vor dem Hochzeitstermin beim Hautarzt an. Wenn jemand die wirksamen Gebräue gegen Pickel kennt, dann er. Liegt nahe, oder?
Was dann kam, kam allerdings nicht in einer Phiole daher. Es gab keine beschwörenden Anti-Pickel-Sprüche.
Eher Skalpell und Laser. Und die Diagnose Krebs.

Schnell noch zweimal um die Ecke gedacht: Meine Hochzeit hat mir meinen Arsch gerettet! Ohne Hochzeit wäre ich nie der Eitelkeit verfallen und der Pickel wäre mir egal gewesen. Wahrscheinlich hätte ich mich irgendwann mit ihm abgefunden und hätte ihn liebevoll »meine kleine Hexenwarze« genannt.
(Für alle, die das Aussehen des Pickels interessiert: Er war nicht rot, braun oder schwarz. Er war einfach hautfarben – und hatte (äußerlich) die Größe eines Stecknadelkopfes.)

So oder so ähnlich teilte ich meine Geschichte damals auf Snapchat. Wie immer mit einem Augenzwinkern – und einem Wink auf meine jetzt unsymmetrische Nase. Das Mistviech ging so tief ins Fleisch, dass ich erst dachte, dass der liebe Hautarzt mir ein drittes Nasenloch geschenkt hätte.
Dieser Schwank aus meinen Leben war – in meinen Augen – für den Augenblick. Nicht nur, weil ich ihn auf Snapchat geteilt habe und sich der Content dort nach 24 Stunden löscht, sondern auch, weil meine Geschichte eben »nichts Besonderes« ist.
Es gibt größere Schicksale als meines. Es gibt viele Menschen, die schlimmer erkrankt sind. Ihre Geschichten sind allgegenwärtig und nichts, was man sich hinter vorgehaltener Hand erzählt.

Einige Wochen später – ich habe schon längst nicht mehr an die Story gedacht – bekam ich eine private Nachricht einer Zuschauerin:
Sie habe die Geschichte über meinen »Pickel« gesehen und sich direkt einen Termin für ein Haut-Screening von ihrer Hautärztin geben lassen. Als sie ihn dann wahrnahm, habe ihr die Ärztin einige Male wegen des Verdachts auf Hautkrebs entnommen und ins Labor eingeschickt. Den Befund habe sie schon einige Tage später bekommen: Aktive Zellen in den entnommenen Probem. »Es sei knapp gewesen«, sagte sie mir. Wenn sie meine Story nicht geschaut hätte, wäre sie nie auf die Idee gekommen, diesen Termin zu machen. Und dann sagte sie etwas, was mich (!) zum Weinen brachte: »Heidi, danke, dass du deine Geschichte geteilt hast. Du hast mir dadurch wahrscheinlich mein Leben gerettet!«.

Natürlich könnte ich an dieser Stelle »die Moral von der Geschicht« aus dem Ärmel kloppen. Sowas wie Manchmal denkt man: Ach, über dieses Thema gibt’s schon tausende Artikel im Netz. Dazu muss ich meinen Senf ja echt nicht mehr hinzugeben! Und doch ist es dann eurer Post, der die Welt von Menschen verändern kann! oder so.
Aber eigentlich möchte ich solch ein ernstes Thema nicht vorschieben, um anschließend eine Lobeshymne auf Social Media zu singen. Ich wollte euch nur eine wahre Geschichte erzählen, in der Social Media das Leben verändert hat.

 

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